RUNDFUNK-BERICHTE

Zeitschrift für den Wirtschaftsbereich Hörfunk und Fernsehen

Hoffnung auf Fairness

 Das Zweite Deutsche Fernsehen stellte Ende April in Köln kurze Ausschnitte einer 24-Stunden Dokumentation über Südafrika vor: „24 Stunden Südafrika. Ein Land - ein Tag“. die Dokumentation stellt den Alltag von Einwohnern Südafrikas unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe, Bevölkerungsgruppen und Altersklassen dar. Sie wird am 5. Juni 2010 ab 6:00 Uhr im ZDF Info-Kanal ausgestrahlt, und im ZDF Hauptprogramm wird sie in 5 Ausschnitten um 11:05 Uhr, 13:30 Uhr, 18:00 Uhr 22:00 Uhr 0:50 Uhr sowie Montag den 7. Juni bis Donnerstag 10. Juni jeweils mit zwei Stunden im Nachtprogramm gezeigt.

Für die anwesenden Journalisten bot das Zweite Deutsche Fernsehen einen interessanten Gast auf. Neben Theo Kull, dem neuen Leiter der Hauptre- daktion Innen-, Gesellschafts- und Bildungspolitik des Zweiten Deutschen Fernsehens und Peter Wagner, dem Leiter des ZDF Infokanals nahm an dieser Pressekonferenz die südafrikanische Eventmanagerin Tshepiso Mohlala teil.

Ausgerechnet die Eventmanagerin erinnert mit ihrem Namen an den verwundeten Sohn des am 04.01.2009 diesem Anschlag erlegenen Jimmy Mohlala, dem ehemaligen Vizepräsidenten des südafrikanischen Fußball- verbandes und Mitglied des Organisationskomitees und Gemeindevorsteher. Tshepiso Mohlalas Vater hatte schwerste Korruptionen beim Bau des Stadions für die Fußballweltmeisterschaft in der Provinzstadt Nelspruit und den Betrug an der kleinen Gemeinde Matsafeni direkt neben der Baustelle aufgedeckt. Die Hintermänner des Mordanschlages wurden bis heute nicht gefasst. Jimmy Mahlala ist nicht das einzige Opfer, das Korruption beim Bau von Stadien angeprangert hat und dies mit seinem Leben bezahlen musste, so zuletzt noch der Lokalpolitiker Sammy Mpatlanyane aus der Provinz Mpumalanga. Er wurde am 08.01.2010 ermordet.

Leider ist nicht nur die Korruption in Südafrika weit verbreitet, sondern auch die Gewalt außerordentlich hoch. Dass sie während der Weltfußballspiel deutlich sinken wird, ist nicht zu erwarten. So soll die Mordrate 2007/2008 bei 38 Fällen pro 100 000 Einwohner gelegen haben. Zum Vergleich USA 5,6, Deutschland 2,9. Die Zahl der Vergewaltigungen soll bei 75 Fällen pro 100 000 Einwohner liegen.

Es gibt allerdings eine Hoffnung, die Begeisterung für den Sport und die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit für ein Land, in dem vor rund 15 Jahren noch eine strikte die Menschenwürde auf das Schwerste verletzende Rassentrennung auf gesetzlicher Grundlage fußend angewandt wurde. Nach Beendigung der Apartheid hat dieses Land mit dem System der Wahrheits- kommission einen Weg gefunden, viele Wunden, die die Gräueltaten der Vergan- genheit geschlagen haben zu heilen. Das dunkle Erbe der Vergan- genheit, die Geringschätzung von menschlichem Leben, der fehlende Respekt vor der Würde der Frauen, bricht leider, vor allem begünstigt durch die große Kluft zwischen Arm und Reich, immer wieder durch.

Jeder, der die Verhältnisse in Südafrika von außen betrachtet und beurteilt, sollte sich, um nur eines von mehreren „globalen“ Beispielen zu nennen, die unglaublichen Ereignisse im Golf von Mexico, die Verwicklung amerikani- scher Regierungsstellen in die Katastrophe und dem hochkriminellen Treiben der Führungselite von BP vor Augen halten, durch das ein Umweltschaden kaum noch vorstellbaren Ausmaßes entstanden ist. Vielleicht wird die Bevölkerung in Norwegen, Dänemark und Deutschland in Kürze ihr Heizöl an der Nordsee selber und zollfrei in Kanister abfüllen können.

Es wäre den Menschen in Südafrika sehr zu wünschen, dass die Begeisterung und gute Stimmung auch nach der Fußballweltmeisterschaft weiter anhält und eine Kultur des friedlichen Zusammenlebens fördert. Das Ende der Fußballweltmeisterschaft darf nicht zu einem schweren Kater führen und die gute Stimmung vernichten, mit allen ihren negativen Auswirkungen.