RUNDFUNK-BERICHTE

Zeitschrift für den Wirtschaftsbereich Hörfunk und Fernsehen

Verschenkte Gelegenheiten

Die Rundfunkanstalten betreiben einen beachtlichen Werbeaufwand, ihre Neuerwer-bungen oder ihre eigene Produktionen vor der Ausstrahlung einer breiteren Öffent-lichkeit bekannt zu machen und mit einer interessanten Vorankündigung in der Presse oder bei anderen Sendern in vielen Fällen auch mit großformatigen Plakatanschlägen Neugierde und Interesse bei einer möglichst großen Zahl von Zuschauern zu wecken.

Eines der Mittel, mit denen die Vorankündigung neuer Programme betrieben wird, sind Pressekonferenzen mit bekannten Schauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren oder auch mit bekannten Fachberatern. Diese Pressekonferenzen laufen im Allgemeinen so ab, dass ein Mitarbeiter der Pressestelle, manchmal auch der Regisseur oder einer der anwesenden Schauspieler oftmals sehr ausführliche Erklärungen abgibt, zum Teil zu den Protagonisten, ihrem Werdegang oder auch zur Vorarbeit. In den meisten Fällen handelt es sich um Routineinformationen. Diese Art der Programmvorstellung ist defizitär, wie an dem Beispiel der Pressevorführung des ZDF in Köln zum Fernsehfilm „Für immer Frühling“ aufgezeigt werden.

Das ZDF hat mit „Für immer Frühling“ einen unterhaltenden Beitrag vorgestellt, der zugleich interessante und landschaftliche Besonderheiten aus dem Süden der Bundes-republik einem größeren Publikum nahe bringt. Bereits zu Beginn des Beitrages werden zahlreiche Tiere gezeigt, die der schulpflichtige Sohn aus reiner Widerborstigkeit in die Freiheit entlässt. Es hätte sich angeboten, allein schon zu diesen Tier - Szenen den angereisten Journalisten Details zu berichten, Details, die in der Berichterstattung über den gezeigten Beitrag hinaus bei vielen Lesern auf großes Interesse gestoßen wäre. Nicht eine Silbe war zu diesen Szenen zu hören.

In dem Beitrag spielen schulpflichtige Kinder mit in einem für den Beitrag erheblichen Anteil. Die Zusammenarbeit mit Kindern, ihre Unbekümmertheit und Direktheit, vor allem wenn noch Tiere eine wesentliche Rolle spielen, bietet immer wieder Stoff für Anekdoten. Auf die Frage, ob es während der Zusammenarbeit mit den Kindern interessante Vorkommnisse zu berichten gäbe, gab Frau Thomalla als einzige eine blasse Auskunft.

Vielleicht sollte die Pressestelle des ZDF das Konzept überdenken, wie ihre Programme vorzustellen sind. So können, je nach Stoff, bereits Einzelheiten zur Motivsuche ebenso interessant sein wie die Kriterien für die Auswahl des Regisseurs, des Kameramannes, des Filmarchitekten, der Schauspieler oder Informationen zu unterschiedlichen künstle-rischen Auffassungen über die Anlage der Rolle, wie sie sich während der Aufnahmen gezeigt hat. So ist immer wieder zu hören, wie Schauspieler oftmals sehr eindringlich und gegen den Widerstand des Regisseurs mit einer guten Begründung ihre Vorstel-lungen über die Anlage ihrer Rolle durchsetzen. Je nach Format und Inhalt des Beitrages können solche Informationen für die angereisten Journalisten hilfreich sein, ihre Besprechung mit interessanten Details anzureichen und damit den Lesern einen tieferen Einblick in die Problematik des vorgestellten Beitrages liefern.